Angehörige
Wir haben den Betrieb geerbt, nicht verstanden
Nach dem Tod des Vaters fand die Familie einen Ordner. Darin Listen, die drei Jahre alt waren, und ein Briefumschlag mit Passwörtern, die nicht mehr stimmten.
Der Betrieb war klein, lokal, seit zwanzig Jahren da. Die Tochter kannte die Kunden vom Sommerfest. Sie kannte nicht die Lieferantenkonditionen, nicht das Datev-Mandat, nicht welche Versicherungen liefen.
Der Notfallkoffer aus dem Keller war ehrlich gemeint. Er war auch genau das, was ungeöffnete Vorsorge ist: im Moment der Prüfung gleichzeitig da und nicht da. Die Bank brauchte andere Vollmachten. Der Hoster schickte die 2FA-SMS auf ein Handy, das niemand mehr entsperren konnte.
Am Ende blieb die Wahl zwischen überstürztem Verkauf und Abwicklung. Weiterführen war die dritte Option — nur ohne Systeme, ohne Runway-Zahl und ohne jemanden, der eine Rechnung schreiben durfte, eine Theorie.